Ulrike Springer
Wie meine Kunstwerke entstehen
Meine Kunst beginnt wie immer mit Grundierungen. Aus den Farbaufträgen wird das Motiv heraus- gegraben, wie ein alter verborgener Schatz von weit her. Der Prozess des „Herausgrabens“ bedeutet, dass Formen erst im Laufe der Arbeit allmählich in meinen Gedanken und Kopf zum Vorschein kommen. Die verschiedenen Arbeitsprozesse versuche ich zu einer vielschichtigen Komposition zu entwickeln, die den Betrachter dazu einlädt, tiefer in das Werk einzutauchen und die verborgenen Elemente zu erkunden.
Der geschmiedete Himmel- die Himmelsscheibe von Nebra
Acryl auf Leinwand, 2025, 50x50cm
Von weit her und jetzt da. Aus meiner Grundierung herausgeschält.
Woher kommt diese Scheibe? Ca. 3600 Jahre alt ist sie, aus der Bronzezeit und ein Weltstar, seit sie 1999 raubgräberisch „geborgen“ wurde. Mithin ist sie die bisher älteste bekannte Himmelsdarstellung und fasziniert sowohl Öffentlichkeit wie auch die Forschung. Vergleicht man sie mit Himmelsdarstellungen aus späteren Zeiten, auf denen es von mythischen und mystischen Wesen nur so wimmelt, ist „das bronzezeitliche Ding, so nüchtern wie ein Verkehrsschild“ meint Wolfhard Schlosser, Universität Bochum.
Da sind zwei Randleistenbeile mit einem Meißel, zwei Bronzeschwerter und Bruchstücke zweier spiralförmiger Armreifen. Die Bronzeschwerter waren ungenutzt und mit den anderen Fundstücken vergraben.
Archäologische Funde sind nicht einfach nur alte Gegenstände, sondern sie erzählen Geschichten. Auf der Scheibe sind zwei für Ackerbaugesellschaften sehr wichtige Daten zu erkennen. Die jeweilige gemeinsame Sichtbarkeit von Sichelmond, bzw. Vollmond mit den Plejaden am Westhimmel markierten in der Bronzezeit den Anfang und das Ende des bäuerlichen Jahres, Mitte März und Mitte Oktober. Die Winkel der Bögen, vom Mittelpunkt der Scheibe aus gemessen, entsprechen genau dem Wert, den die Sonne auf Höhe Magdeburg im Laufe des Jahres beschreibt.

















